Bistum Freiburg

Mit Offenheit zum Erfolg

Dachrestauration in Oppenau

Wenn man die avisierte Spendensumme für ein bauliches Großprojekt bereits nach fünf Monaten statt wie geplant nach fünf Jahren eingenommen hat, dann haben viele Faktoren positiv zusammengespielt. So wie bei der Renovation der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Oppenau, Seelsorgeeinheit Oberes Renchtal. Einen besonderen Platz nimmt dabei die Öffnung der Baustelle für Gemeinde und Liturgie ein.

 

Die Pfarrkirche St. Johannes Baptist ist prägend für Oppenau. Einerseits spielt sich in ihrer direkten Umgebung ein Großteil des öffentlichen Lebens ab: Hier finden der Markt, das Stadtfest und die Oppenauer Fasent statt. Auf der anderen Seite verbinden viele Oppenauer sehr persönliche Erinnerungen mit ihrer Kirche, die 1827 fertiggestellt wurde und die mit der historischen Stieffelorgel eine besondere Rarität besitzt.

Gemeinsam gegen den Zahn der Zeit
Doch der Zahn der Zeit nagte an dem Gebäude und einige grundlegende Renovierungsmaßnahmen wurden dringend erforderlich. Daher vereinbarten Kirchengemeinde, Stadt Oppenau und „Albert Bieser Stiftung“ im Dezember 2011 eine gemeinschaftliche Durchführung der notwendig gewordenen Sanierungsmaßnahmen. Die Gesamtsumme für die geplanten Maßnahmen zur Innen- und Außenrenovation sowie für die Heizungssanierung belief sich auf über eine Million Euro, die zwischen den beteiligten Parteien gedrittelt wurde. Einen Teil ihres Betrags wollte die Kirchengemeinde durch Fundraising finanzieren.

Dachrestauration in Oppenau

Abgestimmt auf lokale Gegebenheiten
„Im März 2012 hatten wir unsere erste Fundraising-Schulung mit Herrn Müller vom Referat Fundraising“, erklärt Ulrike Panter, Pfarrsekretärin in Oppenau. „Gemeinsam haben wir den Weg definiert, wie wir unser Spendenziel erreichen wollen.“ Hinter einem Großprojekt wie in Oppenau steht ein langer Prozess, der aus Fundraisingsicht sinnvoll gegliedert und auf die Gegebenheit vor Ort abgestimmt werden muss. Und dabei spielte die tiefe Verbundenheit vieler Oppenauer mit „ihrer“ Kirche eine große Rolle.

Erfolgsfaktoren: Verbundenheit und Professionalität
„Das war sicherlich ein ausschlaggebender Faktor dafür, dass die Kirchengemeinde, die avisierte Spendensumme von 110.000 Euro bereits fünf Monate nach Projektstart eingenommen hatte“, sagt Martin Müller vom Referat Fundraising der Erzdiözese Freiburg. Danach wurde vereinbart, die weiteren Spendeneinnahmen zwischen den drei beteiligten Parteien zu dritteln. „Außerdem hat das Gemeindeteam von Anfang an auf eine offene und direkte Kommunikation gesetzt“, so Müller. „Sie hatten und haben einen sehr persönlichen Kontakt zu den Menschen vor Ort und haben immer wieder das Gespräch gesucht.“ Als weitere Erfolgsfaktoren nennt der Fundraising-Experte den Einsatz professionell gestalteter Flyer, die gleichzeitig anspruchsvoll und doch angemessen bescheiden im Auftreten waren. So wurde eine Form der Ansprache gewählt, in der sich viele Oppenauer wieder gefunden haben.

Die Baustelle als Ort der Liturgie
Dabei setze das Oppenauer Gemeindeteam auch auf eine Öffnung der Baustelle für Kirchengemeinde und Liturgie. Im März 2017 zum Gedenktag des Heiligen Josef, des Schutzpatrons der Handwerker, fand ein Baustellengottesdienst in der vollbesetzten Pfarrkirche statt. Gemeinsam mit den Erstkommunionkindern gestaltete die Gemeindereferentin Susanne Schwarz die Liturgie. „Wie sieht es denn hier aus? – Hier traue ich mich nur mit Helm rein!“ So eröffneten die mit Bauhelmen ausgestatteten Kinder den Gottesdienst. „Bereits seit zwei Monaten war die Kirche wegen des Innenausbaus geschlossen und so waren die Gottesdienstteilnehmer sehr gespannt, wie die Kirche von innen aussieht“, sagt Schwarz. Und zu sehen gab es viel, denn St. Johannes Baptist war zu diesem Zeitpunkt innen komplett eingerüstet.

Fürbitten beim Baustellengottesdienst

Gottesdienst zur Baustelle „Leben“
Auch in ihren Ausführungen zog die Gemeindereferentin Parallelen zu den Baustellen im Leben der Menschen und beschrieb Jesus Christus als genialen Architekten: Er sei ein Fundament, das Halt und Sicherheit schenke, er verstehe es, unseren Blick zu öffnen für Größeres, er sei vor Ort, wenn wir ihn bräuchten, und er halte mit uns aus, wenn wir einen Baustopp auferlegt bekämen. Zudem sprach Schwarz das Engagement der Gemeinde an: „Oft waren wir in den vergangenen Wochen und Monaten tief berührt: Was haben wir für ein Glück, dass so viele Menschen sich so tief verbunden fühlen mit unserer Kirche hier in Oppenau.“

Direkt am Ort des Geschehens
Auch Martin Müller ist von dem Baustellengottesdienstes angetan. „Es ist eine wunderbare Idee, die Menschen zu einem Gottesdienst direkt an den Ort des Geschehens zu holen. So erleben sie hautnah, wie die Bauarbeiten passieren, sehen, wie die Kirche aussieht, wenn sie ausgeräumt ist, und können gemeinsam für den Schutz derjenigen beten, die hier handwerklich tätig sind.“

Auch zu anderen Zeitpunkten hat das Gemeindeteam die Kirche für die Öffentlichkeit geöffnet. So wurden die Großspenderinnen und -spender im ersten Bauabschnitt am Donnerstag, 5. Juni 2014 vorab zu einer Kirchturmführung und Dachbodenbegehung eingeladen. Am darauffolgenden Wochenende konnte sich jeder Interessierte zu Kleingruppen-Führungen anmelden. So konnten sie sich ein persönliches Bild des Baufortschritts machen und waren zudem zu einer Ausstellung alte Figuren, Reliquien und Messgewänder eingeladen.

Neueröffnung am Erntedanksonntag
„Ich bin mir sicher, dass die offene und persönliche Ansprache während des gesamten Projekts für den Erfolg ausschlaggebend war“, fasst Susanne Schwarz zusammen. Nun freut sich die Gemeinde auf die geplante Neueröffnung der Pfarrkirche am 1. Oktober 2017, dem Erntedanksonntag. Bis zur Veröffentlichung des Rechenschaftsberichts zum Jahreswechsel 2017/2018 können die Menschen weiter spenden. Bisher sind insgesamt 179.000 Euro aus rund 500 Einzelspenden zusammengekommen.

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