Bistum Hildesheim

Interview: "Erst kommunizieren, dann bitten"

Dr. Ralf Tappe im Interview zum Thema Fundraising für Kirchen

Dr. Ralf Tappe leitete schon eine Spendenkampagne für ein Weltkulturerbe aber auch für kleinere Kirchen. Wir sprachen mit ihm über Bitten und Danken.

Herr Dr. Tappe, Sie haben schon eine Fundraisingkampagne für ein Weltkulturerbe aber auch für kleinere kirchliche Erhaltungsmaßnahmen geleitet. War die Herangehensweise unterschiedlich?

Es gibt Unterschiede in der Wirkung. Beim Weltkulturerbe des Hildesheimer Doms hatten wir schnell eine hohe Aufmerksamkeit und konnten das Thema den Spendern leichter näher bringen. Kleinere Erhaltungsmaßnahmen an Kirchen sind schwieriger. Viele gehen ja immer noch davon aus, dass die Kirche durch die Kirchensteuer voll finanziert sei. Deshalb ist eine Spendenkampagne für eine Kirche immer auch ein Schritt in Richtung eines neuen Bewusstseins der Gemeinde, dass man für „seine“ Kirche ganz unmittelbar Verantwortung trägt, was in der Konsequenz heißt, sich zu engagieren.

"Jede Kirche hat etwas Besonderes!"

Bei Kulturdenkmalen wie Kirchen geht es meist um Steine, Farben, Fenster oder Restaurationsleistungen. Wie bringen Sie das ihren Spendern nah?

Jede Kirche hat etwas Besonderes – sicherlich nicht immer auf den ersten Blick – das Spender motivieren kann. Ideal sind Themen, die nicht nur die Gemeinde, sondern den gesamten Ort ansprechen. In Braunschweig zum Beispiel geht es zurzeit um die Sanierung einer Kirche aus den 60er Jahren. Wir versuchen hier Spender zu gewinnen, indem wir nicht nur die liturgische Nutzung betonen, sondern auch die Nutzung als Kulturkirche für Konzerte, Lesungen und Kunst.

Oftmals sind solche Vorhaben sehr kostspielig. Wie kann man trotzdem eine erfolgreiche Spendenkampagne starten?

Es ist eine Illusion zu glauben, dass das aus dem Stand funktioniert. Zuerst geht es um eine gute Strategie, das Thema zu platzieren. Sie müssen den potenziellen Förderern die Chance und auch die Zeit geben, sich auf das Spendenprojekt einzulassen. Wir haben da gute Erfahrungen mit moderierten Diskussionsrunden und Führungen durch die verantwortlichen Architekten gemacht. Die Menschen fühlen sich dann eingebunden, sogar mitverantwortlich und das macht die Bitte leichter. Grundsätzlich gilt: Erst kommunizieren – dann um Geld bitten.

"Dank ist enorm wichtig"

Viele solcher Projekte glänzen mit Urkunden oder Namenstafeln. Sind die Spender narzisstisch?

Das würde ich so nicht sagen, aber der Dank ist enorm wichtig. Für manchen ist der öffentliche Dank eben eine besondere Wertschätzung. Dank im Sinne eines durchaus individuellen Wahrnehmens schafft eine längere tragfähige Spendenbeziehung, darum geht es uns. Für den Dom bekommen wir zwei Jahre nach Projektabschluss auf Empfehlung von Paten immer noch Spendenanfragen, weil sie das Dankerlebnis und die Nähe zum Projekt zu schätzen wussten. Wir sind mit der Annahme der Spende ja auch eine Verpflichtung eingegangen, und zu der müssen wir stehen und unseren Dank ausdrücken.

Text MD, Bild: fundraisingbüro Hildesheim

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