Spenden & Kirche

Fundraising heißt Beziehungsarbeit

Fundraising? Was ist das überhaupt? Klingt nicht vertrauenserweckend. Gibt es da keinen deutschen Begriff? Unsere Experten liefern eine verständliche Erklärung.

Der Begriff Fundraising kommt aus dem Englischen und ist auch dort ein „Kunstbegriff“. Er besteht aus „Fund“ für Kapital oder Geld und „to raise“, was für etwas entwickeln oder sammeln steht. Geht es also nur darum Geld zu sammeln? „Nein“, meint Udo Schnieders von der Erzdiözese Freiburg, „Es geht darum, Menschen von guten Spendenprojekten zu überzeugen und diese gemeinsam zu verwirklichen.“ Dafür setzen Fundraiserinnen und Fundraiser aber nicht nur auf das persönliche Gespräch. „Das wäre bei den vielen Spendern, die zum Beispiel das Bistum Freiburg hat, gar nicht möglich. Deshalb schreiben wir unsere Spender auch in Briefen an und stellen unsere Spendenprojekte und Anliegen vor.“

Spender informieren und überzeugen

Fundraising ist aber noch mehr. „Es geht auch darum, die Spender für eine langfristige Zusammenarbeit zu gewinnen“, erläutert Wolfgang Huber vom Bistum Aachen. Deshalb informiert ein Newsletter zum Beispiel regelmäßig über Projektfortschritte, erste Erfolge und Neuigkeiten aus dem Bistum, die mit Spenden oder Stiftungen zu tun haben. „Spender fordern Transparenz und das mit Recht. Schließlich vertrauen sie uns ihr Geld an.“

Doch was passiert, wenn der Spender das Projekt nicht unterstützen will? „Das kommt natürlich auch oft vor“, bestätigt Klaus Heil vom Bistum Hildesheim. „Sonst wären ja unsere Projekte schnell finanziert!“ Spenden ist eine freie Entscheidung, und die Gründe, warum gespendet wird, sind sehr vielfältig. Die Hälfte der Deutschen spendet gar nicht. „Oft passt es einfach inhaltlich nicht. Aber wir akzeptieren den Spenderwillen und versuchen seine Wünsche beim nächsten Mal besser zu berücksichtigen.“ Heil sieht das pragmatisch und warnt davor auf Spender Druck auszuüben. „Das ist in höchstem Maße unseriös und hat mit Fundraising nichts zu tun.“ Weder zu emotionale Bilder, noch bedrängende Gespräche oder alarmistische Sätze in Spendenbriefen seien akzeptabel. „Das machen wir den von uns betreuten kirchlichen Projekten immer wieder klar. Auch die gute Sache lässt sich nicht drängen, sie muss überzeugen.“

Fundraising muss werben

Das heißt aber trotzdem, dass Fundraiser viel für die gute Sache werben müssen. „Unsere kirchlichen Projekte sind ja gemeinnützig und sollen der Allgemeinheit dienen“, erläutert Hubertus Aumann vom Bischöflich Münsterschen Offizialat Vechta. „Doch wir müssen sie natürlich auch erst einmal bekannt machen“, beschreibt er seinen Job. Deshalb werben Kirchen in Medien, versenden Spendenbriefe oder E-Mails, haben eigene Internet-Seiten, mittlerweile auch Social-Media-Auftritte, oder kleben Plakate. „Auch der Schaukasten an der Kirche gehört dazu.“

Teil der Verwaltung

Natürlich verursacht das alles Kosten. „Ich bin ein Verwaltungskostenanteil“, scherzt Christian Störmer vom Erzbistum Hamburg. „Wenn Bistümer nicht um Spenden bitten und die vielen Förderer sie nicht schon so lange unterstützen würden, wären viele Projekte gar nicht möglich. Auch die Kirche benötigt Spenden. Deshalb gibt es uns Fundraiser, damit wir vertrauensvoll Spender um ihre Unterstützung bitten und die Beziehung zu ihnen halten und transparent über den Einsatz der Spenden berichten.“ Und noch etwas ist Störmer wichtig, denn im Wort Fundraising steckt auch das Wort Fun. „Ja, spenden darf auch Spaß machen. Gerade in der positiven Begeisterung liegt für viele Kirchgemeinden ein enormes Potenzial, auch andere Menschen zu überzeugen.“

Ehrenamt stützt die Gemeinde

Für eine große Organisation wie die Kirche ist deshalb eine effiziente Verwaltung enorm wichtig. Rein ehrenamtliches Engagement könnte das nicht leisten. „Wir sind froh, dass sich gerade auf Gemeindeebene so viele Kirchenmitglieder für ihre Kirche stark machen und sich ehrenamtlich engagieren. Diese Form der Zeitspende ist für uns eine große Erleichterung und beflügelt viele Projekte“, erläutert Störmer. Doch einen erfahrenen Fundraiser ersetzt das meist nicht. Deshalb geht ein geringer Anteil der Spenden auch in die Verwaltung. Worauf man da achten sollte, erklärt der Beitrag „Richtig spenden, aber wie.“


Schlagworte: Fundraising Spenden Kirchgemeinde Transparenz katholisch Ehrenamt Verwaltungskosten
Bildquelle: Latra - Fotolia.com

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