Spenden & Kirche

Warum bittet die katholische Kirche um Spenden?

„Die Kirche bekommt doch Kirchensteuern, wofür braucht sie dann noch Spenden?“ Eine berechtigte Frage. Doch die Tradition der Gabe reicht in der Kirche weit zurück und bedeutet mehr als nur Geld.

Die ersten „Spendenbriefe“ waren die von Paulus. Nur es waren keine Spendenbriefe, wie wir sie heute kennen, sondern eher eine Aufforderung zu mehr Gemeinsinn in der Gemeinde. Zuvor hatte er trefflich kritisiert, wie sich Wohlhabende gegenüber Ärmeren benahmen und nicht Gemeinsinn, sondern Streit und Missgunst herrschten. „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“, (Galater 6,2) schrieb er und definierte damit das Wesen einer kirchlichen Gemeinde.

2000 Jahre Fundraising

Diese Idee ergänzte er noch mit dem Begriff „Charis“. Dieser Begriff aus dem Griechischen lässt sich mit „Gabe“ übersetzen. Er bedeutet aber auch „Gnade“ und „Dank“. „Wenn Menschen geben, geben sie auch die Gnade Gottes weiter“, erläutert Professorin Gury Schneider-Ludorff  von der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau dieses Bekenntnis. Der zentrale Punkt ist für sie die Kollekte des Paulus für die Armen in Jerusalem. „Hier ist schon alles gesagt: An der Großzügigkeit der Gabe lässt sich der Charakter einer Gemeinde erkennen. Gottes Großzügigkeit wird weitergereicht.“ Somit ist eine Spende gelebter Gemeinsinn, und das ist über 2000 Jahre nach Paulus immer noch ein Wert, den es im kirchlichen Fundraising, wie es heute heißt, zu leben gilt.

Kirchensteuer als wichtige Säule

Die heute bekannte Kirchensteuer existiert eigentlich erst seit Ende des Zweiten Weltkriegs und ist zweifelsohne eine wichtige Säule der Kirchenfinanzierung. Ohne sie wäre Kirche in der uns bekannten Form heute nicht möglich. Es handelt sich dabei aber eigentlich um einen Ausgleich für Enteignungen von Vermögen durch den Staat. Wichtig ist auch zu wissen, dass die Kirchensteuer nur von Menschen gezahlt wird, die lohn- und einkommenssteuerpflichtig sind. Das sind in vielen Gemeinden nur 30 Prozent der Gemeindemitglieder.

Nur 80 Prozent der Kosten finanziert

Insgesamt finanziert die Kirchensteuer 80 Prozent aller Kosten. Trotzdem engagiert sich die Kirche in vielen Bereichen. Etwa in der Jugendarbeit, dem Hospizdienst oder beim Mittagstisch für Bedürftige. Das kann sie aber nur, wenn sie Menschen findet, die diese Gabe auch als ihre eigene betrachten. Und um nichts anderes geht es beim Fundraising. Menschen wollen von einer guten Sache überzeugt sein. Dabei kann der Glaube Berge versetzen, aber auch transparente Informationsvergabe und ehrliche Aufklärung führen zu Spenden. Auch der Erhalt von Kirchenbauten ist nicht durch die Kirchensteuer gedeckt. Gerade bei diesem Thema zeigt sich aber schon seit tausenden Jahren das bürgerschaftliche und mäzenatische Handeln.

Staat zieht sich weiter zurück

Momentan ist zu erleben, dass sich der Sozialstaat aus vielen Bereichen zurückzieht. Bürgerschaftliches Handeln ist wieder mehr gefragt. Aber nicht als Lückenbüßer, sondern als selbstbewusster Ausdruck der Gestaltung in der Gemeinde. Nur so entsteht die Motivation, etwas bewegen und verändern zu können. Schneider-Ludorff sieht in dieser Entwicklung den Normalfall: „Mäzenatentum und Philanthropie haben Bildung, Kultur und Soziales schon immer getragen. Wer gute Arbeit macht, dem wird auch viel gegeben und das ist die Herausforderung, vor der die Kirchen jetzt stehen.“

Schlagworte: Katholische Kirche Spenden Kirchensteuer Paulus Spendenbrief Gemeinde, Gabe
Bildquelle: 32_Marem/Fotolia

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